Frühkindliche Hirnentwicklung
Frühkindliche Hirnentwicklung
Zur Geburt verfügt ein Baby über 100 Milliarden Hirnzellen. Während das Hirn schon bei der Geburt über die maximale Zahl der Hirnzellen verfügt, müssen die Hirnbahnen, die die einzelnen Hirnzellen verknüpfen, noch geschaffen werden. Neurowissenschaftler fanden heraus, dass jede elektrische Aktivität des Gehirns als Reaktion auf einen Reiz die physische Struktur des Gehirns maßgeblich beeinflusst. Fehlen in der ersten Zeit nach der Geburt diese Reize, erleidet das kindliche Gehirn bleibende Schäden, die später kaum noch oder gar nicht zu beheben sind. Forscher des “Baylor College of Medicine” haben herausgefunden, dass Kinder, die zum Beispiel wenig gespielt haben und wenig körperliche Zuwendung erhielten, eine 20% bzw. 30% reduzierte Größe des Gehirns aufwiesen, wie Kinder aus einer normalen Gruppe.
Frühkindliches Lernen, “Lernfenster“ und sensible Phasen
Auch wenn das menschliche Gehirn so angelegt ist, dass wir bis ins hohe Alter noch Sprachen, Spiele und musische Fähigkeiten erlernen können, gibt es dennoch Phasen, in denen wir besonders leicht und mühelos lernen. Neurowissenschaftler sprechen von “Lernfenstern“, das heißt sensible Entwicklungsphasen in denen bestimmte Fertigkeiten leicht und mühelos erworben werden können. In jeder dieser Entwicklungsphase lernen Kinder bestimmte Fähigkeiten besonders schnell. So gibt es Lernfenster für Sprache, Musik, räumliches Sehen, Motorik, Emotionen etc. Frühkindliche Erfahrungen strukturieren das Gehirn und formen es wie Plastilin. Sowohl die Qualität als auch die Menge der Reize, die es in sensiblen Phasen aufnimmt, entscheiden wie dicht und damit leistungsfähig die neuronalen Strukturen geknüpft werden können.
Sensible Phasen
Sprache
Von Geburt bis zum Alter von 3 Jahren für muttersprachliche Beherrschung. Als Fremdsprache bis zum Alter von 10 Jahren. Im frühen Alter können Kinder bis zu 7 Sprachen gleichzeitig lernen.
Musik
Drei bis zehn Jahre. Musikalische Betätigung fordert logisches Denken und räumliches Sehen.
Motorik
Siebte Schwangerschaftswoche bis etwa vier Jahre.
Emotionen
Sechs Monate bis zur Pubertät.
Die Voraussetzung für den Erwerb aller dieser Fähigkeiten scheint eine gesunde emotionale Entwicklung des Neugeborenen und Kleinkindes zu sein. Emotionaler Liebes- und Körperkontaktentzug bei Neugeborenen und Kleinkindern sowie mangelnde verbale Zuwendung verhindert eine normale Entwicklung des Gehirns.
Sprache:
Babys und Kleinkinder lernen sehr schnell und mühelos jede noch so komplizierte Sprache, wenn sie damit umgeben werden. Sie lernen in erster Linie durch Hören, dann aber auch durch Sehen und verknüpfen das Gehörte mit dem Gesehenen. Wir arbeiten nach dem muttersprachlichen Prinzip, das Kind hört und hört wiederholt Laute, Sätze, Lieder, die dann im Unterricht mittels Bildkarten, Zeigen von Körperteilen, Bewegungsspielen erarbeitet werden. Die Erfahrungen selbst mit einjährigen sind umwerfend. Zum Beispiel können dreijährige nach einigen Wochen ganze Sätze sprechen und fangen an, sich auf Englisch zu unterhalten. Sind die Kinder dagegen schon sechs oder sieben sehen wir, dass es wesentlich länger dauert, bis sie die Sprache beherrschen und eine einwandfreie akzentfreie Aussprache ist nicht mehr zu erreichen.
Forschungen des Neurophysiologen Glenn Doman
Der amerikanischen Physiotherapeut Glenn Doman führte lange Jahre Pionierarbeit zu dem Thema “Kindliche Hirnentwicklung durch“. 1955 gründete er „Institutes for the Achievement of Human Potential” in Philadelphia U.S.A. Anfänglich arbeitete er mit hirngeschädigten Kindern, die einige Zeit nach Anwendung seiner Programme wieder relativ normal wurden, später beschäftigte er sich vorrangig mit der Lernkapazität von Babys und Kleinkindern. Seine Ergebnisse durch seine Arbeit an Tausenden von Kindern sind bahnbrechend und sehr ungewöhnlich. Er entwickelte Programme, mit denen Eltern ihren Babys und Kleinkindern mühelos und spielerisch Lesen und Mathematik beibringen konnten, er hat in mehr als 100 Ländern seine Methode mit gutem Erfolg angewandt. Er stellte fest, dass es einfacher sei, einem zweijährigen Kind das Lesen beizubringen als einem siebenjährigen.
Zusammenfassung:
Eltern, Erzieher, Lehrer/-innen sollten die Wichtigkeit der emotionalen Geborgenheit eines Babys und Kindes immer im Auge behalten und praktisch umsetzen.
Für alle Fähigkeiten gibt es bestimmte sensible Phasen, in denen das Kind besonders leicht lernt. Sind die Lernfenster geschlossen, wird das Lernen in den spezifischen Bereichen mühselig. Es wäre für unser Bildungs- und Erziehungssystem von Vorteil, die neurophysiologischen Erkenntnisse über die sensiblen Lernphasen, sprich Lernfenster sowie die bahnbrechenden Ergebnis von Glenn Doman mit in die Entscheidungen über Lehrangebote in Kindergärten und Schulen mit einzubeziehen.
Würden viele Kinder schon im Kindergarten- und Vorschulalter bessere Lernangebote erhalten, könnten viele Talente gefördert werden. Spätschäden und Lernbehinderungen könnten teilweise reduziert werden und die Leistungen der Schüler würden signifikant verbessert werden.
Quellen:
1. Glenn Doman, Janet Doman « How to Multiply your Baby`s Intelligence”.
2. CDC Findings “Playing with Infants may boost their IQ” Mike Toner
3. “The Influence of Maturational State on the Acquisition of English as a Second Language R: Johnson and Dr. Newport in Cognitive Psychology 1989.
4. Behaviour “Fertile Minds” j. Madeleine Nash in Time, February 1997.
5. “Your Child`s Brain”, by Sharon Begley in Newsweek, February 1998.
6. “Your Child Special Edition” in Newsweek Summer 1997 from Birth to Three





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